… Gewalt unter der Geburt, Teil 1 …

Es wurde ja schonmal kurz angerissen in einem anderen Beitrag und irgendwie habe ich gerade das BedĂŒrfnis ein wenig ĂŒber dieses Thema zu schreiben.

Wir haben uns gestern auch darĂŒber mit unserem Mann unterhalten und er meinte, wir wĂ€ren da sicher eine Ausnahme gewesen, das hĂ€tte daran gelegen, das an dem Geburtstermin unseres Kindes doofer Weise ein Kamerateam auf der Geburtsstation gewesen wĂ€re.

NatĂŒrlich haben wir nach unseren Erlebnissen dort auch im Netz recherchiert ob wir ein Einzelfall gewesen sind, so nach dem Motto, ist halt dumm gelaufen. Festgestellt haben wir, das wir kein Einzelfall, oder eine Ausnahme gewesen sind.

Bei uns ist das jetzt etwas ĂŒber 10 Jahre her. Eine lange Zeit, wie man meinen könnte. Hört sich lange an aber ist auch heute im Jahr 2021 noch immer ein Thema und passiert eben auch heute noch. Wir sind kein Einzelfall. Damals haben wir fĂŒr uns auch einen Geburtsbericht geschrieben, das half ein wenig. Es ĂŒberkommt mich aber auch heute noch die Wut, das man mir durch diese Art der Gewalt die Möglichkeit genommen hat dieses besondere Ereignis mit etwas schönem zu verbinden. DarĂŒber gesprochen haben wir auch nur mit wenigen Menschen, da auch dieses Thema in unserer Gesellschaft ein absolutes Tabu ist.

Dieses Gerede von sobald man sein Kind im Arm hĂ€tte wĂ€ren alle Schmerzen vergessen und man wĂŒrde fĂŒr all die Schmerzen entschĂ€digt, durch den Augenblick des ersten schreien seines Kindes. Taj, Pustekuchen, ich kann das hier nicht bestĂ€tigen.

Es gibt keinerlei Erinnerungen an den Moment des ersten Schreies meines Kindes, da ist nichts außer ein schwarzes Loch.

Wir galten als Risikoschwangere, Gott was hat man uns verrĂŒckt gemacht, Ich weiß nicht, wie das heute ist aber damals galt man mit 30 schon als Risikoschwangere. Hinzu kam das Übergewicht und die Tatsache, das ich damals Raucherin gewesen bin (heute leider wieder). Dann wurden wir auch zur PrĂ€nataldiagnostik ĂŒberredet und da ging es weiter. Es gibt ja diverse Tests, die man machen kann um sicher zu gehen, ob das Ungeborene gesund ist oder nicht.

NatĂŒrlich haben wir das Spielchen mitgemacht, dann wurde der sogenannten Tripple Test gemacht, in dem wird ein statistisches Risiko ermittelt ob eine Trisomie 21 vorliegen könnte. Dann gibt es noch die Nackenfaltenmessung, auch diese haben wir durchfĂŒhren lassen, diese war unauffĂ€llig. Nach dem Tripple Test kam raus, das unser Baby mit einer Wahrscheinlichkeit von 1::79 das Down Syndrom haben könnte..

Bevor es jemand missversteht, wir haben das alles machen lassen, weil man uns absolut irre gemacht hat und ich wollte wissen, ob mein Baby eine Behinderung haben könnte, nicht um die Schwangerschaft dann abzubrechen sondern einfach um vorbereitet zu sein, falls der Fall eintreten sollte. Damit wir uns schon im Vorfeld informieren können und nicht ĂŒberrascht werden. Ein Abbruch stand nie wirklich im Raum. Wie drĂŒckte es eine Freundin mal aus „Was kommt, wird gewickelt.“ Finden wir absolut passend.

Allerdings sahen die Ärzte das anders, nachdem das Ergebnis des Tripple Testes vorlag, wurden wir dann auch dazu gedrĂ€ngt eine Fruchtwasseruntersuchung durchfĂŒhren zu lassen. Ihr mĂŒsst wissen, bei dieser Untersuchung geht man das Risiko ein, eine Fehlgeburt auszulösen. Ob es heute schonendere Methoden gibt, wissen wir nicht. Wir hoffen!

Bei dieser Untersuchung bekam man eine Nadel ĂŒber die Bauchdecke direkt in die Fruchtblase gesteckt und es wurde Fruchtwasser „abgezapt“ welches dann untersucht wird. De Untersuchung an sich tut nicht weh aber angenehm ist anders. Der Arzt, welcher die Untersuchung durchgefĂŒhrt hat, sprach direkt mit uns, welche Möglichkeiten eines Abbruches gegeben wĂ€ren, sollte das Kind das Down Syndrom haben und riet uns wie selbstverstĂ€ndlich dazu dann einen Abbruch vornehmen zu lassen. Er meinte die meisten Frauen / Paare wĂŒrden sich dazu dann entscheiden.

Dann sagen wir jetzt mal nichts weiter zu, es kĂ€me nur unhöfliches und beleidigendes bei raus. Nicht gegen die Frauen / Paare die sich dazu entscheiden sondern diese Beleidigungen gingen eher Richtung der Ärzte. Wir finden nĂ€mlich das jede Frau selbst entscheiden sollte ob sie einen Abbruch vornimmt oder nicht, schlussendlich muss die Frau mit ihrer Entscheidung leben, so oder so, niemand anderes.

Was mich so extrem wĂŒtend macht, ist einfach das die Ärzte automatisch davon ausgehen das man abbrechen sollte und einen auch noch fast dazu nötigen. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Die ganze PrÀnataldiagnostik ist ein Segen und ein Fluch zu gleich.

Wir haben also einen Tripple Test, eine Nackenfaltenmessung und eine Fruchtwasseruntersuchung machen lassen. Das Ergebnis der Fruchtwasseruntersuchung war negativ, alles im grĂŒnen Bereich das ungeborene war gesund, bei der Gelegenheit hat man auch gleich das Geschlecht festgestellt. Noch so ein Ding, es gibt ja Frauen / Paare die sich dann wegen dem Geschlecht dazu entscheiden das Kind nicht weiter auszutragen, dafĂŒr habe ich kein VerstĂ€ndnis! Wenn eine Frau oder ein Paar sich fĂŒr einen Abbruch entscheidet, ja dafĂŒr habe ich je nach Grund echtes VerstĂ€ndnis aber nicht, weil das Geschlecht nicht passt.

In der Schwangerschaft entwickelte ich dann eine Schwangerschaftsdiabetes. Da ging das irre machen seitens der Ärzte weiter. Man mĂŒsse dann kĂŒnstlich einleiten am errechneten Entbindungstermin. Wieder bekam man Horrostories erzĂ€hlt wie gefĂ€hrlich das wĂ€re.

Leute, eine Schwangerschaft ist keine Krankheit!

Wieder ließ ich mich zu etwas ĂŒberreden was ich im Grunde gar nicht wollte, in einem Krankenhaus zu entbinden, wo ich nicht hin wollte. Man hat mich also schon im Vorfeld nicht ernst genommen, sondern nur Angst gemacht indem man mir in den schlimmsten Bildern ausgemalt hat, was alles passieren könnte. Anstatt in das schnuckelige kleine Krankenhaus hier ums Eck zu gehen, ging ich dann in eine Uni Klinik, wo man halt nur eine Nr. auf dem Papier ist, ich wollte halt alles richtig machen und mein Kind keiner Gefahr aussetzen. Es ist ja ohnehin so, sobald man schwanger ist, ist man nur noch die Schwangere. Wenn das Kind dann da ist, ist man nur noch die Mutter von xyz. Als wĂ€re man als Frau nicht mehr existent.

In der Schwangerschaft hatten wir dann Blutungen und dachten das Kind ist abgegangen, wir fuhren also in die Notaufnahme und wurden dort von einem sehr netten Arzt (hahahaha) nur angeraunzt, was wir denn wollten und wenn das Kind jetzt abgegangen wÀre, wÀre es abgegangen wir sollten nicht so eine Welle machen. Ohne Wort.

Es stellte sich dann raus, alles ok, Herz schÀgt noch. Jippiiieeehhh.

Mein Schwangerschaftsbauch war so groß ich konnte meine FĂŒĂŸe nicht mehr sehen und ich habe gefĂŒhlte tonnenweise Eis verschlungen, haha, mein Mann kam mit dem neu kaufen fast nicht hinterher. 7kg habe ich an Gewicht zu gelegt und immer brav meinen Blutzucker gemessen und was dazu gehört.


Wir haben jetzt schon doch echt viel getippert, wir denken, wir machen noch einen zweiten Teil.

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