… Gewalt unter der Geburt, Teil 2 …

Hier geht es weiter, ich möchte aber eine Triggerwarnung abgeben.

Am eigentlichen Entbindungstermin war noch alles ruhig, also sind wir dann wie abgesprochen morgens in die Klinik mit der Überweisung zur kĂŒnstlichen Geburtseinleitung.

Dort angekommen waren wir noch guter Dinge und relativ entspannt. Es begrĂŒĂŸte uns eine absolut unsympathische und unempathische Hebamme die wir aufgrund ihrer Muttersprache nicht richtig verstanden und sie uns anscheinend auch nicht. Es gab erstmal eine Tablette zur Einleitung (ohne ĂŒberhaupt vorher ein CTG zu machen oder eine Untersuchung), abgesprochen war aber im Vorfeld was anderes, davon wisse sie nichts und das wĂŒrde so laufen wie sie das sagt. *schluck*.

Ich habe es nicht hinbekommen zu widersprechen (und wir sind normalerweise nicht auf den Mund gefallen, unser Mann kann das bestÀtigen).

Ich weiß nicht mehr wieviele Tabletten wir bekommen haben, irgendwann setzten Wehen ein am Anfang war das noch gut auszuhalten und wir machten noch SpĂ€sse und waren guter Dinge. Das Ă€nderte sich dann aber schlagartig. Dann wurden wir nackt in eine Badewanne verfrachtet nur mit einem Handtuch zugedeckt in der Wanne.

Im Vorfeld wurde uns gesagt es wĂŒrde sich ein Kamerateam im Haus befinden, die wĂŒrden Frauen suchen, die sich bei der Geburt durch die Kamera belgeiten lassen. FĂŒr eine Geburtsdoku. Wir waren uns nicht sicher.

Da lag ich also nackt in der Badewanne und das Kamerateam und eine Hebamme kamen ungefragt rein und drĂ€ngten uns dazu uns filmen zu lassen. Wir wollten nicht, diese Vorgehensweise fanden wir schon absolut ĂŒbergriffig.

HĂ€tten wir mal zugestimmt, denn nach der Absage nahm das Drama seinen Lauf.

Irgendwann wurden wir wieder in den Kreißsaal auf ein Bett bugsiert in RĂŒckenlage, die Hebamme kam wieder und wollte uns weiter drĂ€ngen uns filmen zu lassen. Sie sagte „Wenn Sie sich filmen lassen, bleibe ICH die ganze Zeit bei Ihnen, bis das Baby auf der Welt ist, wenn nicht, tja, dann mĂŒĂŸen sie halt mit dem Hebammenwechsel klarkommen.“

*schluck*

Hier nochmal, bitte nur weiterlesen, wenn Ihr gefestigt seid. Triggerwarnung



Wir wollten nicht, das war unser Fehler, ab dem Zeitpunkt wurden wir die meiste Zeit alleine gelassen. Dann gab es weiter Tabletten und Gel um die Wehen anzuregen, ja und die Wehen wurden angeregt, keine Wehenpausen. Da stellte sich mir schon die Frage, warum ich ĂŒberhaupt einen Geburtsvorbereitungskurs gemacht habe, hĂ€tte ich mir klemmen können. Die erste Untersuchung gab es nach etwas ĂŒber 20 Stunden Dauerwehen, der Muttermund war da erst 3 cm geöffnet also hing man noch zusĂ€tzlich einen Wehentropf an. Binge, die Wehen wurden noch schlimmer. Ich fragte nach einer SpinalanĂ€sthesie,, da wurde mir gesagt, das gibt es nicht und ich solle mich nicht so anstellen.

Die Hebamme, nur „Hahahaha, was meinen Sie denn, das das Kind so leicht rauskommt, wie es reingekommen ist?“

Also hing man mir auch noch zusĂ€tzlich zu dem Wehentropf noch einen Tropf mit Schmerzmitteln an, immer noch auf dem RĂŒcken liegend, die einnahme einer anderen Position wurde verweigert. Da lag ich also wie ein dicker KĂ€fer auf dem RĂŒcken und hatte ungelogen TodesĂ€ngste ich dachte ich muss sterben so extrem waren die Wehen (ohne Pausen) und die Schmerzen. Ich bat meinen Mann sogar wĂ€hrend der Wehen mich zu töten. Es fĂŒhlte sich an als wĂŒrde man mir bei lebendigem Leib die Organe aus selbigen reißen.

Ich schrie und schrie, das hĂ€tte ich im Vorfeld von mir nicht gedacht. Wenn dann mal jemand nach uns schaute, kamen nur solche SprĂŒche wie, mein Geschrei wĂŒrde denen auf die Nerven gehen und ich solle mich nicht so anstellen und ich wĂ€re wohl ein Weichei und so schlimm könne das alles gar nicht sein ich solle ruhig sein und nicht so rumschreien das wĂŒrde nerven.

Mein Mann musste dann zwischenzeitlich mal an die Luft, fĂŒr ihn sicher auch nur schwer auszuhalten, und erzĂ€hlte spĂ€te er hĂ€tte mich noch auf dem Parkplatz schreien hören.

Irgendwann kam mal eine Hebamme rein und pflaumte mich wieder an was ich fĂŒr ein Theater machen wĂŒrde, so schlimm könne das gar nicht sein, ich soll mich nicht so anstellen, da mĂŒsse ich eben durch. Ich bat um einen Kaiserschnitt, da kam dann die Aussage „Sie wollen Ihr Kind doch nicht töten oder? Das geht jetzt nicht mehr.“

Irgendwann wurde es aber plötzlich hektisch im Kreißsaal, zig Leute waren da, jeder durfte mal gucken wie weit die Geburt ist und sich davon ĂŒberzeugen … man ist kein Mensch mehr sondern kommt sich nur vor wie ein StĂŒck Vieh.

Schnipp, da schnitt man mich unten auf damit das Kind besser rauskommen kann, ohne Vorwarnung ohne alles. NĂŒtzte auch nichts, plötzlich warf man sich auf mich und schob mit Gewalt mit dem Ellenbogen das Kind aus mir raus. Ohne Vorwarnung ohne mein EinverstĂ€ndnis. Sprechen und erklĂ€ren was gemacht wird, wozu das geht einen als Betroffene ja nichts an. StĂŒck Vieh halt. Man nennt das auch den Kristeller Handgriff.

Das ganze Drama dauerte ĂŒber 30 Stunden.

Was danach kommt, keine Ahnung ich war weg, aufgewacht bin ich erst wieder, in einer Blutlache liegend auf dem Boden meines Klinikzimmers auf der Wöchnerinnenstation, weil immer irgendjemand zu mir sagte Frau XYZ machen sie die Augen auf.

Das wiederholte sich in der Nacht dann nochmal. Und wieder bekam ich von Ärzten und auch den Schwestern gesagt ich solle mich nicht so anstellen, ich wĂ€re verweichlicht und das gehöre halt dazu. Ich solle mich lieber darĂŒber freuen das mein Kind gesund zur Welt gekommen ist.

Mein Mann hat Fotos gemacht direkt nach der Geburt wo mein Kind auf meiner Brust lag, ich habe NULL Beziehung zu diesen Bildern, da ist nichts. Wenn ich sage das ich mich frage, wer ist diese Frau, welche ein Baby auf der Brust hat und dieses Baby knuddelt und so, das soll ich sein, naja, anscheinend.

Es hat einige Zeig gedauert bis das irgendwie gesackt ist, stillen ging auch nicht, da ich total blockiert war, heute weiß ich das, ebenso weiß ich warum die Geburt so gelaufen ist wie sie gelaufen ist, mit meiner Geschichte nicht verwunderlich. Macht es nicht besser aber es ist wie es ist. WĂ€re mir damals das alles schon so klar gewesen, hĂ€tte man vielleicht die Geburt im KH anders begleitet, nein, also bei dem Personal dort, sicher auch nicht, man wird es niemals erfahren.

Ich verblieb dann ein paar Tage in der Klinik, auch in dieser Zeit gab es noch ein paar Situationen, die unbegreiflich sind, aber ein nichts, zu dem Vergleich der Geburt.

Ich wĂŒnsche niemandem so ein Geburtserlebnis, auch nicht meinem Ă€rgsten Feind und das ich mich angestellt habe, sehe ich jetzt nicht so, lange Zeit habe ich in der Tat geglaubt ich wĂ€re nur zu doof und zu verweichlicht und selber schuld. Naja ok, manchmal denk ich das immer noch wenn ich daran zurĂŒckdenke.

Mein Kind ist allerdings mein grĂ¶ĂŸter Schatz, ich hoffe instĂ€ndig, das seine Geburt fĂŒr ihn nicht auch traumatisch gewesen ist, das kann man ja nicht wissen, wie das bei den Kindern im GedĂ€chtnis abgespeichert wird und was die Kinder die zur Welt kommen mitbekommen und wie sich das fĂŒr diese anfĂŒhlt.

Photo by Polina Tankilevitch on Pexels.com

2 Kommentare zu „… Gewalt unter der Geburt, Teil 2 …

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