… was wĂ€re wenn? …

Habt Ihr Euch schon mal Gedanken darĂŒber gemacht, was wĂ€re wenn? Es ist uns klar, das diese Fragestellung im Grunde zu nichts fĂŒhrt. Trotz allem treibt einen diese Frage manchmal um, auch wenn wir wissen, das dies im Grunde reine Zeitverschwendung ist, fĂŒhrt ja zu nichts.

Die Vergangenheit kann man nicht Ă€ndern, man kann nur zu sehen das man das hier und jetzt irgendwie auf die Kette bekommt und fĂŒr die Zukunft sich etwas bessert. Es wird sicherlich NIE gut sein und so. Aber besser und man kann LebensqualitĂ€t gewinnen.

Lange Zeit hab ich ja jedem erzÀhlt ich hÀtte ein ganz normale Kindheit gehabt, mit höhen und tiefen, normal eben. Ich hÀtte alles gehabt und bekommen usw. usf.!

Wobei ich gar keine klaren Erinnerungen habe, also ein paar vereinzelte Erinnerungen an bestimmte Momente auch mit meinen Geschwistern. Aber an Geburtstage, Feiertage oder solche Dinge da ist ein einziges schwarzes Loch.

Dann einige Erinnerungen die sich manchmal so anfĂŒhlen als wĂ€ren sie gerade jetzt real mit all ihren schlimmen dazu gehörigen GefĂŒhle, die AlptrĂ€ume von frĂŒher z.b. sind detailgetrau vorhanden, ich könnte davon 1:1 Zeichnungen erstellen, von Raum und Zeit quasi. Diese sind aber schon Jahrzehnte vorhanden wie im Kopf festgetackert, anderes hingegen ist wie in einem Nebel.

Gewusst bzw. gespĂŒrt das ich anders bin als andere Kinder habe ich schon immer, Dinge fĂŒhlten sich nicht gut an, so als gehöre ich gar nicht zu dieser Familie in der ich aufgewachsen bin. Eher so wie ein Störfaktor den niemand haben will. Klingt verrĂŒckt oder?

Ich erinnere mich auch an Dinge die ich als kleines MĂ€dchen bereits im Kindergartenalter gespielt habe mit meinen Puppen, die ein kleines MĂ€dchen gar nicht spielen kann, da ein kleines MĂ€dchen das noch gar nicht wissen kann, was es da macht. Ich habe das immer fĂŒr normal gehalten, das sprechen mit sich selbst im Kopf waren fĂŒr mich SelbstgesprĂ€che, ich dachte immer das ist normal das macht jeder.

Das erste mal habe ich damit mit meinem Mann gesprochen, er meinte, nein das macht nicht jeder, er z.b. macht so etwas nicht, er kennt sowas nicht wie ich es beschreibe.

Manchmal frage ich mich, wo ich heute stehen könnte, was ich heute machen könnte wenn ich eine normale Kindheit und Jugend gehabt hĂ€tte, wie man sich das wĂŒnscht fĂŒr ein Kind. Mir ist klar, das bringt mich absolut nicht weiter aber vielleicht gehört das auch zum Verarbeitungsprozess dazu?

HĂ€tte ich meinen Mann getroffen, hĂ€tte ich eigene Kinder und wenn ja, hĂ€tte ich so ein tolles Kind wie ich es habe bekommen? HĂ€tte ich mehr Kinder, welchen Beruf hĂ€tte ich gewĂ€hlt und wĂŒrde ich auf der Sonnenseite des Lebens leben? Mit allergrösster Wahrscheinlichkeit wĂŒrde ich noch in meinem Heimatdorf wohnen und dann hĂ€tte ich meinen Mann sicher niemals getroffen, immerhin ist dieser mehrere hunderte von km von mir entfernt geboren und aufgewachsen.

Oder hĂ€tte ich ihn so oder so getroffen? Wer weiß das schon.

Die Frage nach dem warum meine Geschwister die Ferien und bestimmte Feiertage nie mit mir zusammen verbracht haben, warum nur ich alleine an diesen Wochen und Tagen woanders war, die stellt sich mir heute gar nicht mehr. FrĂŒher habe ich immer gedacht, naja die Familie will das ich schöne Ferien verbringe. Klar, die anderen fahren gemeinsam in den Urlaub und das kleine MĂ€dchen darf nicht mit und muss diese Tage woanders verbringen. Die damalige ErklĂ€rung war fĂŒr mich schlĂŒssig, aufgrund einer Erkrankung konnte ich halt nicht mit in die Berge in den Urlaub fahren. Warum man dann aber nicht einfach woanders Urlaub gemacht hat, wenn man einen gemacht hat, wo ich auch mitfahren kann, die habe ich mir damals gar nicht gestellt, auf diese Idee bin ich gar nicht gekommen.

Ich weiß nur das ich mich immer mit HĂ€nden und FĂŒĂŸen gewehrt habe dort hin zu fahren, jedesmal, ich wollte nicht, und als die Zeit dann rum war habe ich mich gewehrt wieder nach Hause zu fahren. FĂŒr Mister X ist klar warum und wieso, naja fĂŒr mich war das nie so klar.

Ich glaube das wurde an anderer Stelle schon mal erwĂ€hnt, auch diese ganzen Familienfeste, wo ich dachte das sind gemeinsame Familienfeiern mit mindestens 15 Kindern, hahaha lange Zeit habe ich immer gesagt das wĂ€ren alles meine Cousinen und Cousins die da waren. Lange Zeit habe ich das auch genau so meinem eigenen Kind erzĂ€hlt. Und lange Zeit habe ich mir doch in der Tat gewĂŒnscht das er diese anderen aus meiner Familie auch kennenlernen mĂŒsste und auch solche Feiern erleben mĂŒsste. Mal gut das dies nie der Fall gewesen ist.

Das können gar nicht meine Cousinen und Cousins gewesen sein, da einige von denen mit dem Teil meiner Familie gar nichts zu tun hatten! Was sollten diese also auf den Feiern?

Ich wĂŒnscht doch das ich diese Puzzleteile irgendwie mit den tatsĂ€chlichen Dingen verbinden könnte, also wenn dazu die reelen Bilder da wĂ€ren, in gĂ€nze und nicht nur so fragmentiert. Auf der anderen Seite frage ich mich, will ICH das wirklich? Will ich dem wirklich ins Gesicht blicken und genau wissen was gewesen ist? Was ist besser, diese Erinnerungsfetzen sollte ich es dabei belassen oder sollte genauer hingeschaut werden? Was wĂŒrde das bringen genauer hinzuschauen? Bringt das was? Keine Ahnung.

Was ist also tatsÀchlich real und was erinnere ich mich weil man mir erzÀhlt hat das wÀre so und so gewesen, was ist denn die tatsÀchliche Wahrheit.

Bei dem Gedanken das ich mich an gute Dinge erinnere weil mir die Familie immer erzĂ€hlt hat, das hĂ€tten wir dann und dann gemacht ich mĂŒsse mich doch daran erinnern und das wĂ€re nur so gewesen?

Was meinen die Geschwister wenn sie sagen, ich solle die Vergangenheit einfach in Ruhe lassen, das wĂ€re schon so lange her ich solle da einen Hacken dran machen und vor allem solle ich das nicht zum Thema machen wenn Familienfeiern anstehen, ich solle meine FĂŒĂŸe still halten?

Wobei ich ja sagen muss das ich Einladungen zu Familienfeiern ignoriere seit einiger Zeit. Beerdigungen wir runde Geburtstage.

Bin ich dann selber schuld, wenn Dinge passieren und man mich nicht informiert? Die Frage stellte sich hier z.b. als meine Stiefmutter verstorben ist, kein Mensch hat mir das mitgeteilt, die gesamte Familie traf sich … ich erfuhr spĂ€ter davon mit den Worten meines Bruders „Die ganze Familie hat sich getroffen.“ Mein erster Gedanke war, aha, die ganze Familie hat sich getroffen? Ok, ich gehöre also nicht dazu. Stimmt schon, ich gehöre halt nicht dazu, warum gehöre ich nicht dazu? Naja Nestbeschmutzer gehören halt nicht dazu. Ich drĂŒcke das mal so aus. Auf der anderen Seite wĂ€re ich da sicher auch nicht hingefahren.

Das ist so verrĂŒckt, ich bin nun schon echt ein paar Jahre alt, Statistisch gesehen habe ich sicher schon die HĂ€lfte meines Lebens ĂŒberlebt. Aber der Wunsch nach einer heilen Ursprungsfamilie wo sich alles in wohl gefallen auflöst ist noch immer vorhanden, komplett bescheuert oder? Auch diese Gedanken wie, naja ich wĂ€re ja eh selber schuld und das liegt nur an mir, ich weiß das ist Quatsch, aber dann weiß ich das doch wieder nicht. Es nagt an einem und frisst einen auf.

Das ist nicht greifbar, nicht fassbar.

Das ist wie wenn jemand vor meinen FĂŒĂŸen einen großen Karton mit einzelnen Puzzleteilen ausgeschĂŒttet und sagt, sieh zu wie Du klar kommst. Der Rahmen steht irgendwie vielleicht und je weiter man sich in das Innenleben dieses „Bildes“ bewegt umso schwĂ€rzer werden die einzelnen Puzzleteile. Die Frage ist, sind da auch bunte, frohe Teile dabei die aufblitzen können? Die dazu gehören oder ist das nur ein einziges schwarzes Loch? Wie soll man das aushalten, wie soll man damit irgendwie zurechtkommen. Wie soll man damit zurecht kommen das Teile der Vergangenheit (und zwar die bunten fröhlichen) eine einzig große LĂŒge sind? Oder besteht die Möglichkeit das diese bunten Teile auch wahr sind? Oder sind sie nur wahr aus den ErzĂ€hlungen von anderen?

Das sind so Gedanken, die mich gerade umtreiben und niedergeschrieben werden wollten. Vielleicht ein wenig wirr, keine Ahnung, vielleicht auch fĂŒr den ein oder anderen nachvollziehbar? Ich weiß es nicht. es ist wie es ist versuche ich mir gerade zu sagen. Ja, es ist wie es ist. Was wĂ€re wenn, bringt mich kein StĂŒck weiter.

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