… steigende Fallzahlen, Schlagzeilen …

Da stellt man nach einem langen Tag außer Haus, den Rechner an und will seine eMails checken und das erste was einem an Schlagzeile ins Auge sticht, das man im Kampf gegen Kinderpornographie steigende Fallzahlen hĂ€tte.

Tja, das erste was mir da in den Kopf schoss, war, na sowas, wer hĂ€tte das gedacht. Was fĂŒr eine Überraschung (Sarkasmus pur) wie kann das denn bloss passieren. Was soll man zu so einer Schlagzeile sagen? Ach Gottchen, das ist doch keine Überraschung, wieso tut man denn so als wĂ€re das so ĂŒberraschend und wie könne das bloss sein und bla.

Tja, jeder Fall ist ein Fall zu viel, wie wir finden! Die Gesellschaft die schaut doch weg, die Nachbarn schauen weg, die eigene Familie schaut weg. Der Nachbar ist der TĂ€ter oder die eigene Familie sind die TĂ€ter und die Kinder werden weitergereicht usw. usf.! Hahaha, ich denke wenn man jetzt auch noch mal das Dunkelfeld sehen könnte und wĂŒrde, was wĂŒrde die Gesellschaft denn dann machen? Das ist so … ich weiß gar nicht was ich dazu sagen soll, ernsthaft. Die Fallzahlen steigen, das ist ja nichts neues, neu ist das man mehr aufdeckt, tja, aber die Zahlen an sich waren sicher schon immer immens hoch, nur jetzt kommen so Dinge immer mehr und mehr ans Licht. Wie hoch die Fallzahlen wohl wĂ€ren, wenn es diese VerjĂ€hrungsfristen nicht geben wĂŒrde? Naja, ein Schelm wer böses dabei denkt. Mord, verjĂ€hrt ja auch nicht. Missbrauch ist aber auch Mord, nĂ€mlich Seelenmord! Der Körper, klar, der wandelt noch auf dem Erdboden weiter aber oftmals doch nur als tote HĂŒlle.

Eine Überraschung ist das fĂŒr uns jetzt nicht, eher im Gegenteil, schlimm ist es zu wissen wie groß das Dunkelfeld wohl sein wird, diese Dimensionen will ich mir nicht im geringsten ausmalen. Aber ich hoffe es Ă€ndert sich bald mal was, alleine bei den Strafen und alleine bei den Hilfe fĂŒr die Opfer, das man endlich mal aufhört, den TĂ€tern so eine immense Plattform zu geben indem man ĂŒber sie spricht, wochenlang, monatelang. Anstatt ĂŒber die TĂ€ter zu sprechen und bla sollte man einfach mal anfangen mit den Opfern zu sprechen, den Opfern ein Gesicht geben und darĂŒber sprechen was das bedeutet fĂŒr die Oper die man als Überlebende bezeichnet (das Wort Opfer finde ich schon naja, hust, egal, wird halt umgangssprachlich einfach so bezeichnet, ein passendes anderes Wort fĂ€llt mir leider auch nicht ein).

Und was Ă€ndert sich durch die aufgedeckten steigenden Fallzahlen? Welche Maßnahmen ergreift denn die Gesellschaft um die Kinder zu schĂŒtzen? Welche?

Hört den Kindern doch einfach mal richtig zu, glaubt den Kindern wenn sie diese Dinge erzĂ€hlen oder malen oder nachspielen, weil ihnen einfach die Worte fehlen. Schaut doch einfach mal hinter die Fassaden von Familien. Nach außen hin wirken viele doch ach so harmonisch und toll. Schaut doch mal dahinter. Schaut doch mal genauer hin, bei Kinder die auffĂ€llig werden in der Schule oder auch genauer hin bei den Kindern die plötzlich still werden. Schaut doch einfach verdammt nochmal genauer hin! Richtig! Lasst Euch nicht mit Ausreden abspeisen, lasst Euch nicht verunsichern, schaut einfach mal genauer hin.

Wir hatten das mal in einer kurzen Sequenz selbst in der Therapie, jemand von uns hat das angesprochen, ist leider wieder viel zu schnell abgetaucht. Sie konnte nicht verstehen, wie es sein konnte das dies niemand gehört haben will von den Nachbarn ihre Hilfe Schreie als sie zur Bestrafung eingesperrt worden ist in den Keller, wo dann noch andere Dinge passierten. Wie sie an den Haaren ĂŒber den Flur geschliffen worden ist um sie in den Keller zu kriegen, WIE kann das sein, das diese Schreie niemand gehört haben will, immer und immer wieder, bis es irgendwann eben ruhig wurde, weil gemerkt worden ist, es hilft niemand, es hat keinen Zweck und sich dem Schicksal ergeben worden ist. Zu Beginn hat sie sich ja noch gewehrt. So klein, so hilflos und so unschuldig. Den Menschen in ihrem Umfeld ausgeliefert.

Heute versuche ich mir irgendwie verstĂ€ndlich zu machen, die EmotionstrĂ€gerin bin ich eben nicht, die SchmerztrĂ€gerin auch nicht, ich trage nur einen winzig kleinen Teil dieser Erinnerung (das ist so als wĂŒrde man Teile eines Filmes erzĂ€hlen, den man gesehen hat), also das quasi, eben ein paar Bilder, die sich eben nicht zu mir gehörig anfĂŒhlen. Alles andere was dazu gehört, das gehört schon dreimal nicht zu mir.

Auf der Suche nach Halt, WĂ€rme, Sicherheit und Geborgenheit, da wurde sie bestraft. Sie hat den Part ĂŒbernehmen mĂŒssen dies ĂŒber sich ergehen zu lassen.

Ich selbst kann da völlig emotionslos drĂŒber schreiben, weil es mich nicht betroffen hat. Klar, mir ist bewusst das es mich doch sehr wohl betrifft aber ich habe bei dieser Erinnerung keinerlei gefĂŒhlsmĂ€ssigen Bezug, klar ich habe das im sogenannten Co mitbekommen als darĂŒber geredet worden ist, das war schon schlimm das zu hören, das war dann so was wie, WAS kommt da aus meinem Mund, was? Klar Teile davon konnte ich z.b. frĂŒher auch emotionslos berichten aber eben nur Teile und von meiner Seite aus wurde das z.b. einer Therapeutin mal mit einem lachen im Gesicht erzĂ€hlt. Damals habe ich null verstanden warum diese das nicht so witzig fand wie ich, komischerweise konnte die gar nicht drĂŒber lachen. Damals habe ich auch nicht verstanden, was daran jetzt so schlimm sein soll. Naja, passiert halt, ist doch ĂŒblich, nichts worĂŒber man jetzt ne Welle machen mĂŒsste.

Ja, in Anbetracht der Tatsachen, naja, das dies nur ein kleiner Teil ist von den Dingen die ich mittlerweile so gehört haben, ist dies vielleicht in der Tat jetzt nicht soooo schlimm. Gut, dazu muss ich aber auch eben sagen, das dies nur ein kleiner Teil ist der mir zugÀnglich gewesen ist. Anderes, davon war ich einfach nur entsetzt, da ich da gar keine Erinnerung habe, null!

Beim erzĂ€hlen innerhalb der Therapie bin ich, wenn ich denn dabei bin und etwas mitbekomme, einfach nur geschockt und entsetzt und es macht mir Angst was da im kleinsten Ansatz so erzĂ€hlt wird. Mit manchen Dingen kann ich ĂŒberhaupt nicht umgehen, keine Ahnung wie das zu hĂ€ndeln sein soll und keine Ahnung wie ich manche Dinge davon kontrollieren kann, denn ich habe festgestellt ich kann so gut wie gar nichts kontrollieren.

Und wenn ich mir dann ĂŒberlege das diese Dinge in jedweder Form tagtĂ€glich passieren. So viele kleine hilflose und schĂŒtz bedĂŒrftige Kinder, die nicht gehört und nicht gesehen werden. Was sich da bei mir breitmacht ist Resignation.

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