… wie fühle ich mich, was fühle ich? …

Ganz ehrlich, keinen Schimmer. Wie sollte ich mich denn fühlen? Denken oder handeln oder mich verhalten mit dem was ich erlebt habe? Wie hat man denn zu sein, wenn man überlebt hat? Was darf man sagen und was nicht, was darf man denken und was nicht?

Ist man weniger überlebende, wenn man auch gute Tage hat? Wenn man irgendwie versucht sich gute Erlebnisse zu schaffen, so schwer es auch fallen mag? Ist man erst dann eine richtige Überlebende, wenn man den ganzen Tag nur um sein Leid kreist und sich darin verliert? An einigen Tage ist es so verdammt schwer sich aufzuraffen, sich dazu aufzuraffen, sich gute Erlebnisse zu schaffen, weil man glaubt das könne nicht sein, man hätte das nicht verdient und das würde so wieso nichts werden, mit einem Reinfall, einer Enttäuschung wäre sowieso zu rechnen, also läßt man es am besten gleichbleiben. Diesen Teufelskreis zu durch Brechen ist so verdammt anstrengend, körperlich wie seelisch. Es kostet so viel Energie. Aber Dinge anders zu erleben kann doch auch ein Zeichen für die im innen sein, daß es auch anders gehen kann, das neue Erfahrungen helfen können beim gesunden. Manche Dinge sind auch bei uns z.b. oft so wie eine selbsterfüllende Prophezeiung, als wenn wir unbewußt dazu beitragen, würden das die Dinge in die Hose gehen. Weil noch kein Umgang damit gefunden worden ist, wenn es eben NICHT schiefgeht, sondern glatt läuft. Das löst hier nur großen Staunen aus und es wird sich gefragt, wo der Haken ist.

Ist man weniger überlebende, wenn man auch mal lacht und einfach Spaß hat am Leben, also so richtig Spaß, wenn das auch selten ist? Darf man als überlebende eigentlich lachen, raus gehen, gute Dinge erleben und all das? Darf man das? Und wenn man das macht, kann es einem dann automatisch eben nicht schlecht gehen? Weil eine richtige überlebende ist man nur dann, wenn es einem so richtig mies geht, tagtäglich?

Ist man weniger Überlebende, wenn man nach weniger Unterstützung fragt oder diese einfordert? Wenn man es selbst hinbekommt gewisse Dinge unter enormer Kraftaufwendung zu erledigen? Oder wäre es einfacher diese Dinge von anderen im außen immer zu erledigen zu lassen? Wieviel Hilfebedarf wäre denn angemessen um als wirklich Überlebende zu gelten? Ist man weniger betroffen, wenn man versucht Dinge noch selbst zu erledigen? Kann man dann von außen automatisch davon ausgehen, ach die kann das ja noch, dann kann das ja nicht so schlimm sein? Das kommt ja stellenweise von nicht betroffenen und was besonders schlimm ist von selbst Betroffenen, die dann meinen Beurteilen und bewerten zu können das könne dann ja nicht so schlimm sein. Wenn dann noch hinzu kommt das man uns von außen erklären will, wie wir uns zu fühlen hätten. Wenn das nicht so wäre, dann wären wir ja nicht so schlimm dran wie sie. Was das soll entzieht sich unserem Verständnis. Hier ist zur Zeit das enorme Bedürfnis sich Kontakte zu schaffen mit Menschen, die eben NICHT betroffen sind von seelischen Erkrankungen. Um mal einen anderen Blickwinkel zu erhalten, um einfach mal zu erkennen das es doch auch anders gehen kann, also um andere Erfahrungen zu machen. Oder eben auch mit betroffenen die auf den ersten Blick eben das gleiche versuchen oder möchten, also sowas wie einen Ausgleich sich zu schaffen. Aber wie erkennt man das und wie findet man solche Kontakte und wollen die, welche gesund sind überhaupt Kontakt mit jemandem der viele „Baustellen“ hat und mitbringt? Man will auch andere nicht runterziehen, aber ein stabiles Umfeld sich zu schaffen ist doch wichtig, oder? Erreicht man das, wenn man sich „nur“ mit anderen erkrankten umgibt? Ich vermute das könnte mißverständlich rüberkommen, aber ich weiß es nicht besser auszudrücken. Da liegt keine Wertung oder Bewertung oder Abwertung oder Kritik an anderen drin!

Die Frage die sich auch gestellt wird, sind wir betroffene nicht einfach auch manchmal selber betriebsblind? Ist es nicht vielleicht auch mal hilfreicher, wenn jemand von außen der eben nicht betroffen ist einen Blick darauf zu werfen, jetzt nicht auf tiefliegende traumatische Dinge, sondern so auf alltägliches, für das tiefliegende geht man ja in Therapie und läßt einen Profi drauf blicken.

Wir hatten mal eine Freundin, wenn wir uns getroffen haben, dann drehten wir uns nur im Kreis, absolut im Kreis. Es gab kein anderes Gesprächsthema als das Leid, welches wir beide erlebt hatten. Es blieb ob keine Zeit dafür, das zu sehen, was eben nicht schmerzbehaftet ist. Tut so etwas gut? Tut das gut? Klar Austausch tut gut, keine Frage, ist enorm hilfreich. Wenn es aber dann gar nicht mehr möglich ist, anderes zu sehen und miteinander zu erleben, tut diese Freundschaft denn gut? Also wenn es tatsächlich immer auf das gleiche in Gesprächen hinausläuft und man sich nur im Kreis dreht mit dem, worüber man redet immer wieder und wieder und wieder. Hängt man dann nicht in sowas wie einer Dauerschleife fest? Wie kommt man daraus, ohne die Freundschaft zu verlieren? Unsere Erfahrung leider, gar nicht. Bzw. wir haben da keinen Weg rausgefunden, was schlußendlich zur Folge hatte, daß die Freundschaft beendet worden ist. Das komische daran ist, daß es sich eher sowas wie erleichtert anfühlt, rückblickend jetzt. Das es eher sowas wie energiefressend war man das selbst nicht bemerkt hat. Rückblickend war aber auch diese Freundschaft wertvoll und wichtig für unseren Weg, ich hoffe sie sieht das mittlerweile auch so. Also es war keine vertane Zeit oder so. Auch wenn wir nicht mehr miteinander reden, wünsche ich ihr das sie ihren Weg zur Gesundung finden wird.

Tut es gut in seinem Umfeld nur Menschen zu haben, die selbst schlimme Dinge erlebt haben? Klar, tut das gut, weil diese so sollte man meinen, einen in bestimmten Punkten einfach verstehen können, weil man dort so sein kann wie man ist, wenn es einem schlecht geht, weil diese das einfach nachvollziehen können.

Aber was ist schlecht daran sich auch gesunde Menschen in sein Umfeld zu „holen“ die mögen einen vielleicht nicht immer verstehen können, aber man kann ihnen ja erklären, warum und wieso man gerade drauf ist wie man drauf ist. Aber gesunde Menschen in seinem Umfeld zu haben kann doch auch sehr bereichernd sein, weil diese einem ja auch durchaus zeigen können, daß es auch anders geht. Dies ist natürlich auch manchmal schwer auszuhalten, weil man vor Augen geführt bekommt, was man selber alles eben noch nicht erlebt hat, was man nicht kennt, was einem so unfaßbar unvorstellbar vorkommt, daß es eben auch anders gehen könnte. Weil man nie erlebt hat, wie es ist so richtig ausgelassen zu sein. Dann steht man daneben und kann das selbst nicht und ja, das kann verdammt wehtun. Da kommt dann die Frage auf, wie zum Teufel geht das eigentlich? Oder die Frage, womit man es eigentlich verdient hat das man das nie erfahren durfte, ob man selber Schuld wäre und ob man da irgendwas hätte selbst verändern können.

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